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Aktuelles

Abriss der Pobershauer Handschuhfabrik soll Mitte des Jahres abgeschlossen sein

Handschuhfabrik vor dem Abriss

Ansicht vor dem Abriss

Abrissarbeiten an der Handschuhfabrik

Herr Gottschalk und Frau Clausnitzer von der Stadtverwaltung mit Bauleiter Marcel Hein zur Beratung (v.l.n.r.)

Viele Jahre prägte der Fabrikkomplex, inklusive dem dazugehörigen Wohnhaus das Ortsbild von Pobershau. Jahrzehntelang waren dort - außer dem Produktionsleiter - nur Frauen in Lohn und Brot. Die Rede ist von der ehemaligen Handschuhfabrik in der Ortslage Pobershau. Von früh bis spät ratterten die Strickmaschinen und die Frauen gaben ihr Bestes, um erstklassige Ware herzustellen, die nicht nur in der ehemaligen DDR, sondern auch im kapitalistischen Ausland gern abgenommen wurde. Die Rede ist von der Handschuhfabrik am Blauen Stein 1 - ein Objekt, welches zu jenen Unternehmen im Ort gehörte, das Geschichte geschrieben hat. Erbaut wurden die Fabrikräume im Jahre 1928 durch Herrn Max Rösch und seiner Ehefrau Marie direkt an das seit 1870 bereits bestehende Wohnhaus. Nachdem alles fertig war, vermietete Herr Rösch das Gebäude an die Otto Uhle KG, einer Handschuhfabrik in Siegmar. Die Firma Uhle stellte das gesamte Inventar, einschließlich Maschinenpark für die Produktion von Strickhandschuhen zur Verfügung. Genau zehn Jahre später, 1938, wurde die Fabrik wiederum durch die Röschs erweitert und aufgestockt. Zu einer Fabrik mit staatlicher Beteiligung wurde sie 1957. Nach dem Tod von Max Rösch 1959 führte sein Sohn Fritz das Pachtverhältnis weiter. 1960 zählte der Betrieb 110 Beschäftigte, davon 30 Fabrik- und 80 Heimarbeiterinnen. 1972 wurde die Otto Uhle KG in den VEB Stelzendorfer Strickhandschuhe umgewandelt und um 1980 entstand durch Fusionierung der VEB Polar Karl-Marx-Stadt. Im Zweigbetrieb Pobershau waren zu dieser Zeit 30 bis 40 Fabrikarbeiter, einschließlich Lehrlinge und ca. 90 Heimarbeiter mit der Produktion von Strickhandschuhen beschäftigt. Allein 55 Prozent der Gesamtproduktion wurde in elf Länder der Erde exportiert. Zur Liquidation des VEB Polar Karl-Marx-Stadt und der Kündigung des Pachtvertrages für das Pobershauer Gebäude kam es im Jahr 1990. 1994 wurde es durch das Euro-Bildungswerk Freiberg genutzt. Aufgrund der schlechten Lage und ungünstigen Verkehrsanbindung konnte das Fabrikgebäude nicht weiter vermietet werden. Zum Verkauf des Grundstücks an einen privaten Investor mit konkreten Vorstellungen und Weiternutzung kam es im Jahr 2009. Dann wurde es still um die frühere Handschuhfabrik. Seit einigen Wochen wird diese Stille nun von Baumaschinenlärm unterbrochen. Grund dafür ist der Abriss der Fabrik. Die Stadt Marienberg hatte das Objekt im Vorfeld erworben und plant die Fläche nach Abtransport des Bauschuttes zu begrünen. Die Maßnahme schlägt mit insgesamt 233.000 Euro und einer 90prozentigen Förderung zu Buche. Mitte des Jahres soll das Ganze abgeschlossen sein. Doch bis dahin ist noch einiges zu tun. "Es muss eine Stützwand zur Hangsicherung errichtet werden. Danach erfolgt die Renaturierung der Fläche mit ortstypischer Begrünung", erklärte Michael Gottschalk, Sachgebietsleiter für Hochbau und Gebäudeverwaltung in der Stadtverwaltung Marienberg. Dass der Rückbau nicht ganz ohne ist, erklärte Bauleiter Marcel Hein von der bauausführenden Firma. "Durch die Hanglage handelt es sich hier um eine sehr anspruchsvolle Baustelle. Zur Sicherung des Hanges muss beispielsweise ein spezieller Spritzbeton hergestellt werden. Ja, es ist schon eine Herausforderung".

(Ein Dankeschön den Zeitzeugen, welche die Informationen zum Sachverhalt lieferten)